Übersichtskarte

Dienstag, 19.04.2011

Reisen ohne Route - ein Vorbericht

Auslandsaufenthalte sind in unserer Generation, insbesondere unter Studenten, schon lange keine Seltenheit mehr. Die wichtigsten Entscheidungen dabei: Wo möchte ich hin? Welche Erfahrungen möchte ich machen? Welche Sprachen möchte ich lernen? Und was bringt mir am meisten für meinem Lebenslauf?

Bei der Wahl meines Auslandssemsters bin ich wohl ziemlich gegen den Strom geschwommen. Arbeiten? Ja, aber bitte in einem neuen und ungewohnten Umfeld. Europa? Nein, ich muss weiter raus. Erasmus? Scheidet damit schon mal aus. Australien? Nein, zu kommerziell, zu überlaufen. Neuseeland? Auch. Aber Englisch als Landessprache wäre doch gut? Stimmt, dann vielleicht Kanada. Und sonst? Die Welt.

Um ein Working Holiday Visa für Kanada habe ich mich selbst gekümmert. Agenturen wie TravelWorks greifen da nur ungerechtfertigte Gewinnspannen ab ohne einen echten Mehrwert zu bieten. Außerdem möchte ich unbedingt vermeiden, bei den von der Agentur angebotenen Pauschalflügen nach Vancouver oder Montreal bereits in Deutschland auf Traveler aus der Heimat zu stoßen. Wer eine echte Auslandserfahrung sucht, sollte möglichst fremde Kulturen aufsuchen und sich von alten Gewohnheiten lösen. Dieser Meinung bin ich zumindest zu diesem Zeitpunkt. Meine erste Station wird daher China sein. Erst danach geht es nach Kanada - und zwar alleine.

Der Rest bleibt offen. Abhängig von meinen Ersparnissen und dem Geld, das ich unterwegs erwirtschaften kann, möchte ich noch möglichst viele Länder sehen und erst im Oktober nach Deutschland zurückkehren. Ob der Plan aufgeht wird sich zeigen.

Kurz vor der Reise steigt meine Anspannung ebenso wie meine Vorfreude. Die Tatsache, dass mir völlig fremde Länder mit einer Vielzahl von Möglichkeiten offen stehen, tangiert dabei beide Gefühle. 

Los geht's am Dienstag, 03.05. Ich werde in diesem Blog versuchen, Eindrücke von den Orten und Menschen zu vermiteln, denen ich auf meiner Reise begegne. Zugunsten der Kurzweiligkeit des Blogs habe ich mir vorgenommen, mehr mit Bildern zu arbeiten als mit Texten in Überlänge.

Also, schaut hin und wieder mal rein!!!

Sonntag, 15.05.2011

China - aufstrebende Weltmacht mit bröckelnder Fassade

Als erste Station meiner Reise hat es mich nach China geführt. Ein Freund (Ilia) macht derzeit ein Auslandspraktikum bei VW in Dalian. Bevor es in mein eigentliches Zielland Kanada geht, bietet es sich also geradezu an, einen kleinen Umweg über China zu gehen. Dieser erste Beitrag meines Blogs thematisiert diesen 17-tägigen Aufenthalt im fernen Osten. Dabei ging es von Dalian über Peking bis ganz in den Süden nach Guilin, Yungshou und Hong Kong.

 

Dalian

Nach 20 Stunden Flug (Zwischenstopp in Shanghai) und 3 Plastikmenüs endlich die Ankunft in Dalian. Ilia hat mich direkt vom Flughafen abgeholt und uns mit seinem fortgeschrittenen chinesisch per Taxi in seine derzeitige Wohnung manövriert. 

Ilias Wohnung von außen......und von innen

Die Stadt entpuppt sich als sehr lebhaft, dreckig und hektisch. Als erste Station nach Deutschland ein absoluter Kulturschock. Die auf den ersten Blick recht nette Aussicht aus der Wohnung wird nach genauerem Hinsehen deutlich getrübt. Bei Nacht wirkt die Stadt glitzernd und aufregend, bei Tag ist sie immer noch spannend, allerdings wird der durch die Dunkelheit überdeckte Dreck und die vielen Baustellen dann wieder sichtbar.

Gleich am ersten Abend ging es in das direkt vor der Tür liegende Barviertel „Five Colour City“. Am nächsten Tag dann relativ lange geschlafen und danach die Uni besucht, an der der Ilia vor seinem Praktikum ein Auslandssemester absolviert hat. Abends dann leckeren Hot Pot gegessen (traditionell chinesisch) und ausgeruht. Das Nachtleben in Dalian wurde dann am darauffolgenden Abend ausgiebig mit anderen VW-Praktikanten erkundet. Eine nette Sache, wenn sich beim Feiern in 5-Sterne-Hotels das Preisniveau deinem Geldbeutel anpasst...

Nach einem ausgiebigen Katerfrühstück am nächsten Morgen dann nichts wie los zum Bahnhof...per Nachtzug geht’s nach Peking!

 

Peking

Nach 12 Stunden Zugfahrt endlich die Ankunft in Peking. Reissuppe am Bahnhof zum Frühstück, dann mit der U-Bahn zum sehr zentral gelegenen Hostel.

Unser Hostel

Am ersten Tag den Temple of Heaven besucht und auf den riesigen Fake-Märkten um mehr oder weniger hochwertige Sachen gefeilscht. Die beiden anderen Tage haben wir für zwei absolute Muss-man-gesehen-haben-Highlights verplant.

Die chinesische Mauer

Wohl mit das beeindruckenste, dass ich in meinem Leben bisher gesehen habe. Diese über hunderte Kilometer an der Grenze zur Mongolei auf den Gipfelspitzen des Gebirges verlaufende Mauer zählt wohl vollkommen zurecht zu den sieben Weltwundern. Bilder können das wohl nur schwer wiedergeben, allerdings besser als Worte. Deshalb hier eine Auswahl:

Ein kühles Bier mit toller Aussicht

Tausende Menschen sollen für die über 2000 Jahre andauernden Arbeiten an dieser Mauer gestorben sein. Sie diente dazu die befeindeten Mongolen von der Grenze und damit aus dem eigenen Land fernzuhalten. Paradoxerweise laufen heute hunderte Mongolen auf der Mauer herum und wollen einem Getränke oder Souveniers verkaufen. Dabei scheuen sie auch nicht davor zurück, einem über den teilweise recht beschwerlichen Weg über die Mauer zu folgen. Da wir aber ein recht ordentliches Tempo drauf hatten, wurden wir weitestgehend verschont. Insgesamt sind wir etwa 10 km über die Mauer gewandert.

Abends ging es dann noch in das größte Barviertel in Peking. Hier kann man rund um den Fluss in kleinen Bars, aber auch in größeren Clubs, die Nacht zum Tag machen. Da wir aber am nächsten Tag wieder früh raus mussten, haben wir höchstens die Dämmerung zum Tag gemacht und sind dann wieder zurück ins Hostel.

Die verbotene Stadt

Absoluter Touristenmagent hier in Peking. Im Überfluss von Tempeln sticht diese ehemalige Regierungsanlage absolut hervor. Bis zur Revolution 1911 regierten hier die chinesischen Kaiser. Normalen Bürgern war der Zugang absolut unmöglich. Am Eingang empfängt ein großes Bild von Mao die Besucher. In China wird der ehemalige Staatspräsident mit diktatorischen Zügen noch immer wie ein Heiliger verehrt.

Mao

Die pralle Sonne an diesem Tag ließ uns keine Wahl: für eine entspannte Besichtigung der Tempelanlage mussten wir uns mit lustigen Hüten und einem schicken Sonnenschirm ausstatten Cool

Anschließend sind wir sofort ins Hostel gestürmt. Wir hatten nicht viel Zeit. Am Abend ging schon der Zug nach Guilin: eine 25-stündige Fahrt stand uns bevor. Zunächst mussten wir aber noch den Weg durch die Hitze bis zum riesigen Pekinger Hauptbahnhof meistern, an dem uns auch eine Vielzahl der für China typischen Wanderarbeiter begegneten.

Hauptbahnhof PekingWanderarbeiter

 

Guilin und Yungshou (Xing Ping)

Nach einer 25-stündigen Busreise kamen wir erst gegen 20 Uhr an unserem Hostel an. Dennoch sind wir nochmal in die Stadt gefahren und haben nach einem super Essen einen Club aufgesucht. Die Vorgabe, nur ein Bier zu trinken, konnten wir wie erwartet nicht einhalten und so endete der Abend nach einer ordentlichen Schlägerei zwischen ein paar wild gewordenen Chinesen damit, dass der Besitzer des Clubs uns zur Wiedergutmachung Freibier bis zum Schluss anbot...ein Angebot, dass man aus reiner Höfflichkeit natürlich nicht ablehnen sollte.

Der Besitzer trägt Haweihemd

Nach vier Stunden Schlaf und leichtem Kater traten wir zur Bootsüberfaht nach XingPing an, einem kleinen Bergdorf, in dem wir unser nächstes Hostel gebucht hatten. Die Fahrt über den Fluss Li Jiang war wahnsinnig beeindruckend, was die folgenden Bilder hoffentlich annähernd wiedergeben können:

Vor der Fahrt

Nach dem plötzlich sehr heftig einsetztenden Tropenregen wurde die Fahrt allerdings etwas beschwerlicher und auch die Weiterfahrt nach XingPing mit einem offenen Minibus war mehr als abenteuerlich.

XingPing stellte sich als Ferienort für Chinesen raus, Ausländer sind hier die absolute Seltenheit. Super eigentlich um das ursprüngliche Leben in China außerhalb der Großstädte kennen zu lernen. Am Tag ist es eigentlich ganz nett, aber abendliche Aktivitäten sind hier Fehlanzeige.

Bauernküche

Daher haben wir uns den Rest des Abends im Hostel entspannt und für den nächsten Tag einen Wildwasser Rafting Ausflug in den Bergen hier gebucht. Der Wahnsinn: Die Tour ging knapp eine Stunde und hat unglaublich viel Spaß gemacht. Ganz ungefährlich war es aber nicht: der ein oder andere Chinese (auch hier waren wir die einzigen Ausländer) ist auch mal gekentert und das Boot ist ohne ihn die Fluten herunter gestürzt. Aber wir haben es gut gemeistert!

Abends im Hostel stellte sich heraus, dass wir nach einem kurzen Spiel mit den Hostel-Mädels (eine 3er-Crew, die so unfassbar verpeilt war, dass man ihnen schon wieder nicht böse sein konnte) und zwei ihrer Freunde mitten in eine Geburtstagsparty gelangt sind. Plötzlich gab es Kuchen und Bier, bis das Geburtstagskind sturz betrunken war!

Am nächsten Tag ging es dann über Yungshou mit dem Nachtbus weiter zu der letzten Station unserer Reise: Hong Kong. Der strömende Regen machte den Weg zum Bus mit den Rucksäcken nicht gerade leichter. Glücklicherweise haben wir uns vorher die für diese Region typischen Regenjacken besorgt, die auch einen schnellen Happen unterwegs möglich machen.

 

Hong Kong

Die Fahrt war recht entspanned, wenn auch mit knapp 14 Stunden wieder relativ lang. Auch unser Ziel Shenzhen zeigte sich mal wieder als eine absolute Metropole (ca. 12. Mio. Einwohner), die dennoch einen sehr geringen Bekanntheitsgrad in Europa erreichen dürfte.

Nun war es die Herausforderung, möglicht günstig über die Grenze nach Hong Kong einzureisen. Dabei wählten wir den Weg, bei dem wir wieder mal die einzigen Ausländer waren. Wir deuteten das als gutes Zeichen und lagen richtig: entgegen vieler Warnungen bezahlten wir für die Einreise lediglich die üblichen Preise für Bus- und Zugtickets.

Unser erstes Hostel war noch nicht in der City, sondern auf einer idyllischen Insel außerhalb. Leider gab es hier nichts außer einem berühmten riesen Buddha und einem Dorf, das extra für Touristen angelegt worden war. Nicht sonderlich toll also, zumal das Hostel auch noch extrem ungemütlich und hässlich war. Glücklicherweise teilten fünf Amerikaner das selbe Schicksal und so wurde der erste Abend bei Lagerfeuer und Bier doch noch ganz unterhaltsam. Die folgenden Bilder des Big Buddha im Mondschein sind unserem Alkoholpegel zu verdanken...

Am nächsten Tag haben wir dann mit dem besteigen des angrenzenden Berges die einzig mögliche Aktivität im näheren Umkreis genutzt. War anstregender als gedacht, der Gipfel liegt bei 930 m, gestartet sind wir etwa bei 300.

Das ZielErfrischung

Am nächsten Morgen nichts wie raus aus der Idylle und rein in den Großstadtdschungel: Hong Kong Island wartet.

Der erste Blick in diese Metropole des fernen Ostens lässt einen erstaunen: beim Gang durch die engen Häuserschluchten muss man aufpassen, dass man sich seinen Hals nicht verrenkt.

Und man stellt schnell fest: Hong Kong hat mit den Städten, die wir bisher in China gesehen haben, absolut nichts gemeinsam. Nobelboutiquen soweit das Auge reicht, Anzug ist hier Standardgarderobe. Als Backpacker kommt man sich da fast schon etwas schäbig vor...

Durch die Fahrt mit der tradionellen Bahn auf den Peak hinter der Stadt und einem Spaziergang durch den City Park konnten wir die ganze Vielseitigkeit der Stadt entdecken: eine Metropole, in der man inmitten der Wolkenkratzer durchaus auch Orte zur Entspannung findet.

Alles andere als Entspannnung suchten wir am nächsten Tag: mit der Fähre ging es nach Macau, der Spielhölle des Ostens. Diese ehemalige portugisische Kolonialstadt ist gemessen am Umsatz das größte Zentrum für Glücksspiel weltweit, noch vor Las Vegas oder Monte Carlo. Leider konnten wir an diesem Tag nicht dazu beitragen, dass sich daran etwas ändert: der Roulette-Tisch war nicht auf unserer Seite. Eine riesen Erfahrung war es aber dennoch.

An der GrenzeVoller Träume......und HoffnungenGalaxyVenitian

Den Abschluss unseres Hong Kong Aufenthaltes bot ein netter Grillabend in unserem Hostel, von dem man eine sehr schöne Sicht auf die Stadt hatte.

Am nächsten Morgen ging es für Ilia wieder zurück nach Dalian und für mich weiter zum nächsten Ziel: Vancouver.

Freitag, 27.05.2011

Über den Pazifik - Meine Ankunft in Kanada

Am Flughafen in Vancouver angekommen musste ich zunächst ins Immigration Office, um mein Visum mit Arbeitserlaubnis prüfen zu lassen. Nach 20 Stunden Flug (mit Zwischenstopp in Peking) und minus 15 Stunden Zeitverschiebung gegenüber meinem Abflughafen Hong Kong nicht unbedingt eine angenehme Aufgabe. Zumal die Schlange lang war. Danach dann schnell einen Bissen gegessen und nur noch ins Bett.

Nach dem sehr abwechslungsreichen Aufenthalt in China bietet sich mir in Kanada nun eine völlig neue Welt. Außer der Überwindung des Kulturschocks und des Jetlags gilt es hier nun auch die Arbeitssuche in Angriff zu nehmen. So steht nicht nur das Bereisen dieses tollen Landes im Vordergrund, sondern auch die Finanzierung dieses Vorhabens.

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit meinen ersten 3 Wochen in Kanada.

Vancouver

In Hong Kong hatte mir ein Travelerfreak aus Holland (reist seit 7 Jahren ununterbrochen um die Welt) scheinbar einen Job über einen Freund in Edmonton organisiert. Gute Bezahlung, dazu Unterkunft und Essen...zu schön um wahr zu sein? Ja! Nach ein paar Tagen vergebenen Wartens auf eine weitere Mail von John (so heißt der Typ aus Edmonton) musste ich mich von dem Gedanken des sicher geglaubten und gut bezahlten Jobs lösen und stattdessen das Hefter selbst in die Hand nehmen...nach ein paar Anrufen wurde ich fündig: in einem Hostel in Tofino konnte ich für eine Woche kostenlos übernachten. Perfekt, wollte ich doch sowieso unbedingt in diesen Ort! Meine Aufgabe: Gartenarbeit!

Also auf nach Tofino! Allerdings nicht ohne in Vancouver den Einzug der Canucks (Eishockey für alle Unwissenden) in die Finals des Stanley Cups zu feiern...für Vancouver das erste mal seit 17 Jahren. Entsprechend ausgelassen war die Stimmung:

Granville St.

 

Tofino - Half the speed, twice the pleasure

Dieser Slogan der lokalen Touristenzeitung beschreibt diesen unglaublich schönen Ort an der Westküste Kanadas sehr treffend. Die Eindrücke sind atemberaubend: 50m hohe Bäume, meterhohe Wellen, die an weiße Strände gespült werden, Adler, Seelöwen, Bären und Wale in freier Wildbahn.

Und: mit meinem Job habe ich einen echten Glückstreffer gelandet. Jeden Vormittag für 3 Stunden arbeiten, Büsche schneiden, Rasen mähen, Unkraut jähten, und danach frei!

Der Garten hinter dem Hostel

Das Beste: jede noch so tolle Aktivität, die man hier machen kann, war für mich kostenlos!!! Als Hostelmitarbeiter muss man nichts für diese Touren zahlen. Einfach super, da Whale Watching und Co normalerweise jeweils bis zu 100 $ kosten. Aber auch ein entspannter Nachmittag am Strand und ein Lagerfeuer am Abend sind natürlich nicht zu verachten. Daher hier ein Überblick, was meine Zeit in Tofino alles zu bieten hattte.

Whale Watching

Diese Tour habe ich sogar zweimal gemacht. Mit dicken Ganzkörperanzügen ausgestattet gingen wir mit einem recht schnellen kleinen Boot auf die Suche nach Grauwalen und Orkas...und hatten Glück. Und nicht nur das: auch Bären und Seelöwen sind uns auf den Fahrten begegnet.

Der Rücken eines GrauwalsEin kleiner SchwarzbärSeesterne

Kayaking

Neben den normalen Touristentouren wurde auch eine Promotion Kayak Tour für uns Hostelmitarbeiter angeboten...der Gärtner durfte da natürlch nicht fehlen. Diese Tour beinhaltete nicht nur das Paddeln durch die unfassbar schöne Landschaft, sondern auch noch einen kleinen Hike durch einen nahezu unberührten Regenwald, in dem bis zu 2.000 Jahre alte Bäume stehen. Und das beste: zum Abschluss wurden wir noch mit selbstgemachtem Chilli und Bier versorgt.

Die beiden Guides in Vorbereitungen für das EssenDer Gärtner ist natürlich der Erste am Buffet :D

Surfing

Einmal in Tofino, dem einzigen Surf-Ort in Kanada, ist es natürlich ein Muss selbst einen Versuch auf dem Board zu starten. Beim ersten mal habe ich mit zwei Leuten aus dem Hostel Unterricht bei einer Surfschule genommen, am nächsten Tag sind wir dann zu dritt auf eigene Faust los. 

Nicht ganz einfach am Anfang. Neben den ersten Anpassungsschwierigekeiten mit dem recht großen Surfboard und der im Vergleich zum Snowboard ungewohnten Bewegungsfreiheit auf dem Brett, kommt noch das Timing für die richtige Welle hinzu. Aber einige Erfolgserlebnisse hatte ich dann doch und es hat jede Menge Spaß gemacht.

Das max. 8°C kalte Pazifikwasser stellte mit dem schnittigen Wetsuit übrigens kein Problem dar. Einmal im Wasser, war es nach kurzer Zeit richtig warm.

Der Wetsuit :D

Bergtour

Als Tagesausflug hatten wir (eine fünfköpfige Crew) eine Tour auf den gegenüber von Tofino liegenden Berg geplant. Per Wassertaxi ging es daher zunächst auf die entsprechende Insel und dann etwa zwei Stunden den Berg hinauf. Nach einer ordentlichen Tour auf die Spitze hatte man eine tolle Aussicht auf den Ort und weitere Inseln. 

Strandnachmittage

An sonnigen und etwas arbeitsintensiveren Tagen bin ich Nachmittags oft einfach zum lokalen Strand gelaufen, um mit Snacks bepackt die Sonne zu genießen und ein mehr oder weniger ausgedehntes Nickerchen zu halten.

Abende

Die Atmosphäre in dem Hostel war einfach genial. Gemütlich eingerichtet und mit Blick aufs Meer lädt es geradezu dazu ein mit ein paar Leuten bei Gitarrensound Bier zu trinken und zu grillen.

Das Hostel von außen......und von innen

So kam man schnell mit vielen Menschen ins Gespräch und vebrachte die Abende bei Lagerfeuer am Strand, in dem nahegelgenen Pub oder eben einfach im Hostel beim gemeinsamen Barbecue.

Ein besonderes Highlight waren dabei immer die Sonnenuntergänge, zu denen sich schon fast traditionell alle am Strand trafen.

So sah also mein Alltag in Tofino aus. Sicher nicht der schlechteste.

Ich konnte mich glücklich schätzen, dass der Hostelmanager es mit der geplanten Woche arbeiten nicht so genau genommen hat und es auch mehr so tun gab als erwartet. Letztendlich habe ich hier deshalb insgesamt 17 absolut traumhafte Tage verbracht, die mich ohne Arbeiten wohl mein halbes Reisegeld gekostet hätten.

Aber: die Reise muss weitergehen. Schweren Herzens habe ich mich von Tofino getrennt um das nächste Ziel anzusteuern: auf einer Farm in der Nähe von Whistler kann ich zwei bis drei Wochen arbeiten.

Daher also mit der Fähre wieder zurück nach Vancouver, wo ich mich mit der Familie, der die Farm gehört, auf dem Stadtmarkt treffen werde.

Bye Bye Tofino!

Sonntag, 26.06.2011

Back to the roots in British Columbia - auf der Suche nach einer ursprünglichen Lebensart

Nach dem wahnisnnig schönen Aufenthalt in Tofino sind die Ansprüche an weitere Orte hoch...aber einen ähnlich guten Deal wie bei meiner letzten Arbeitsstelle konnte ich wohl kaum von allen Anderen erwarten. Und dennoch: auch die Farmarbeit in Pemberton, einem 2.000-Seelen Dorf in der Nähe des bekannten Skiortes Whistler, hatte einige Highlights zu bieten. Vor allem aber boten mir die insgesamt vier Wochen einen super Einblick in das kanadische Leben abseits der üblichen Touristenwege.

Vancouver

Als Zwischenstopp vor meiner zweiten Arbeitsstelle nach Tofino musste mal wieder Vancouver herhalten. Da es Samstagabend war durfte eine kleine Pubtour natürlich nicht fehlen. Perfekt, dass ich im Hostel jemanden getroffen habe, den ich schon in Tofino kennengelernt habe.

Aussschlafen war am nächsten Morgen allerdings nicht drin: schnell ausgecheckt und dann nichts wie zum Vancouver Stadtmarkt, um mich mit der Familie zu treffen, auf deren Farm ich die nächsten drei Wochen 'wwoofen' konnte, was soviel heißt wie gegen Unterkunft und Essen zu arbeiten (ähnlich wie in Tofino also).

Pemberton

Die Farm der Familie Zayac befindet sich zirka 12 km außerhalb des Ortskerns von Pemberton. Die Familie besteht aus Alisha und Delaney, die beide erst Mitte 30 sind, und dem kleinen Ayra, ihrem 1-jährigen Sohn. Ihre Unternehmung nennen sie Ice Cap Organics (sind also eine Bio-Farm) und ihr Grundstück haben sie erst vor gut einem Jahr gekauft. Entsprechend arbeitsintensiv ist der Sommer für sie, zirka 14 Arbeitsstunden pro Tag, 7 Tage die Woche. 

Bereits auf der etwa 3-stündigen Fahrt von Vancouver nach Pemberton stellte ich fest, dass die beiden sehr lockere und freundliche Menschen sind und trotz ihrer arbeitsintensiven Tage und ihrem kleinen Sohn, der ja auch viel Aufmerksamkeit einfordert, eine Menge Lebensfreude austrahlen und selten wirklich gestresst wirken.

So habe ich mich beim traditionell gemeinsamen Lunch in den Mittagspausen auch direkt sehr wohl in der Runde der Familie gefühlt.

Lunch mit der Familie

Meine Unterkunft war ein alter Trailer, allerdings immerhin mit Strom, Wasser und sogar W-Lan. Gewöhnungsbedürftig, aber eine gute Erfahrung.

Trailer von außen......und von innen

Und zur Zubereitung von ordentlichen Mahlzeiten, die hauptsächlich aus frischen Zutaten direkt von der Farm stammten, war der Trailer auch geeignet. Hier eine kleine Auswahl meiner Kochkünste.

Mein Arbeitspensum bestand aus 5 Stunden am Tag, 5 Tage die Woche. Eigentlich ganz in Ordnung. Dennoch waren die Tage gerade am Anfang nicht unbedingt nur spaßig, da ich diese Art von Arbeit einfach nicht gewohnt bin. Salat und Gemüse ernten sowie Unkraut jähten (die Felder dürfen ja nicht mit Chemikalien besprüht werden, da es sich um eine Bio-Farm handelt) waren meine Hauptaufgaben.

Lockerer als die Arbeit auf dem Feld war jeweils das anschließende Waschen und Verpacken der Ernte. Hier konnte man wenigstens aufrecht stehen anstatt auf allen Vieren herumkriechen zu müssen.

Meine Arbeitskollegin auf dem Feld war Margarit, eine 25-jährige Kanadierin, die schon ihr ganzes Leben in Pemberton wohnt. Sie war nicht nur sehr nett sondern auch sehr gesprächig, was sowohl für ein kurzweiliges Arbeiten als auch zur Verbesserung meiner Englischkenntnisse ein echter Vorteil war.

Margarit bei der Arbeit

Nach dem Arbeiten stand mir ein Fahrrad zur Verfügung mit dem ich die schöne Umgebung hier erkunden und den Ortskern erreichen konnte.  

Und auch ein wirklich beeindruckender Wasserfall lag in Fahrradnähe.

Außerdem gab es einen nahe gelegenen Fluss, an dem man sonnige Nachmittage verbringen konnte. Aber Vorsicht: Whistler und Umgebung ist Bear Country!!! Entsprechend haben mich Alisha und Delaney mit einem Bären-Abwehrspray ausgestattet, mit dem ich mich im Falle einer Bärenattacke wehren konnte. Allerdings habe beide eine solche Situation noch nicht erlebt, aber sicher ist sicher ne?! Und bereits auf meiner ersten Erkundungstour war nicht zu übersehen, dass hier der ein oder andere Bär durch die Wälder spaziert.

Das Bärenspray :D

So sah mein Alltag unter der Woche aus. An den Wochenenden hatte ich dann etwas mehr Zeit um auch das weitere Umfeld zu erkunden. Dazu konnten mich Alisha und Delaney auf dem Weg zum Markt in Vancouver gelegentlich mitnehmen. Aber auch per Anhalter konnte man sich gut fortbewegen und bei dieser Gelegenheit weitere Einheimische kennelernen.

Squamish

Dieser schöne Ort am Meer ist ewta eine Stunde von Vancouver entfernt und etwas größer als Pemberton. An einem arbeitsfreien Tag habe ich hier den 'Chief' bestiegen, einen Berg, der seinen menschenähnlichen Felsformationen seinen Namen verdankt. Der Aufstieg vorbei an einem tollen Wasserfall war Anfangs etwas mühsam, da das halbe Hähnchen, das ich kurz zuvor gegessen habe, sich mit Sport nicht so gut vertragen hat.

Der Ausblick auf Squamish und das Meer war die Mühe aber allemal wert!!!

Wieder unten im Ort angekommen wollte ich eigentlich noch eine Kleinigkeit einkaufen. Jedoch fand ich eine absolute Geisterstadt vor, alle Geschäfte hatten geschlossen. An einem Mittwoch Nachmittag. Der Grund: das letzte Spiel der Vancouver Canucks im Stanley Cup Final, das sie im übrigen verloren.

Whistler

In Whistler war ich mehr als nur einmal, da man super mit dem Fahrrad nach Pemberton fahren und von hieraus weiter nach Whistler 'hitch hiken' konnte. Die Erfolgsquote war in diese Richtung sehr hoch. Klar, denn der Austragungsort der olympischen Winterspiele 2010 ist ein beliebter Urlaubsort für Einheimische und Touristen.

Entsprechend auch mit sehr schöner Natur und unendlichen Aktivitäten von Bungee Jumping bis Rafting, Mountain Biking und...ja sogar Snowboarding. Mitte Juni war auf dem Blackcomb noch so viel Schnee, dass sich mir am Gletscher noch ein sehr ordentliches Skigebiet zeigte. Da habe ich es dann doch etwas bereut, dass ich mir vor der Fahrt mit dem Lift nicht doch noch ein Snowboard ausgeliehen habe.

Bemerkenswert ist vor allem die Peak to Peak Gondola. Dieses Meisterstück der Ingeneurskunst verbindet zwei Bergipfel miteinander und lässt die mit Glasboden ausgestatteten Gondeln meterhoch über dem dazwischen liegenden Tal schweben. Dabei liegen zwischen den beiden Masten, die jeweils auf den beiden Bergen befestigt sind, etwa 5 km reines Drahtseil, ohne weitere Befestigungen.

Im Tal angekommen konnte man den Tag mit einem Sonnenbad an einem der vielen schönen Seen ausklingen lassen...und das nachdem man vor einer Stunde noch durch den Schnee spaziert ist. Schon eine besondere Sache.

Und auf meinem Weg zum See war es dann soweit: meine erste Begegnung mit einem wilden Bären. War eigentlich relativ harmlos, das Bärenspray kam nicht zum Einsatz. Und dennoch war es erstmal ein etwas seltsames Gefühl, als er fünf Meter vor mir aufgetaucht ist. Ein paar Fotos habe ich aber trotzdem geschossen.

Hike to Joffrey Lakes

Als absolut gelungenen Abschluss meines Aufenthaltes lud mich Margarit ein, zusammen mit ihr und einer Freundin einen Hike zu den Joffrey Lakes zu machen. Ohne groß zu wissen, was und wo das ist, nahm ich das Angebot an - und hätte nicht gedacht, dass ich an einen so unglaublich schönen Ort geführt werde.

Der Hike dauerte etwa zwei Stunden bis zum oberen See am Gletscher und ging über felsige Abschnitte und Schnee, vorbei an Wasserfällen und weiteren Seen.

Pro Hiker bei der Arbeit :DDer mit dem Vogel tanzt :D

Das war ja alles schon sehr cool, aber als wir dann oben am Gletschersee ankamen waren wir alle drei auf einen Schlag still und haben einfach nur für fünf Minuten mit offenem Mund auf diese Landschaft geschaut - das türkisfarbene Wasser, dazu Schnee, Eis und Tannen: wie von einem anderen Planten!

Wer die Bilder schon gut findet muss sich vorstellen, dass das Ganze in echt noch dreimal so toll aussah!

Mein Aufenthalt endete mit einer sehr arbeitsintensiven Woche, in der ich statt 5 Stunden 8 arbeitete, diese aber zusätzlich zu Unterkunft und Essen noch mit 9 $/Std. vergütet bekam. Ein sehr nettes Angebot von Alisha und Delaney!

Und so ging es mit etwas mehr Taschengeld als erwartet wieder zurück nach Vancouver. Von dort aus bringt mich der Greyhound Bus zu meinem nächsten Ziel: Jasper.

Freitag, 15.07.2011

Dunster - Am Rande der Zivilisation

Nach meinem vierwöchigen Aufenthalt auf einer Farm in Pemberton habe ich von meiner nächsten Anlaufstelle bezüglich Arbeitsrhythmus und Lebensstil ähnliches erwartet. Ich brauchte allerdings nicht lange um zu begreifen, dass die nächsten drei Wochen alles andere als eine Kopie meines letzten Aufenthaltes werden würden.

Vancouver

Bevor es mit dem Greyhound Bus nach Jasper ging, hatte ich noch etwa 8 Stunden Aufenthalt in Vancouver. Diese habe ich genutzt um einige Dinge einzukaufen, meinen Stamm-Mongolen zum MIttagsbuffet aufzusuchen und einige Stunden am Hafen zu verbringen.

Die anschließende Fahrt mit dem Bus war weniger angenehm und von diversen Zwischenstopps mit längeren Wartezeiten mitten in der Nacht gekennzeichnet. Dennoch hatte ich auch hier wieder die Gelegenheit diverse Leute kennenzulernen und mich mit ihnen auszutauschen. Nach etwa 12 Stunden kam ich in Jasper an und wurde von Bob, bei dem ich nächsten Wochen verbringen werde, abgeholt. Auf der 150km-Fahrt zu seinem Haus in Dunster, an der Grenze zu Alberta, wurde mir bewusst, dass wir uns langsam von der zivilisierten Welt entfernen und immer mehr Richtung Wildnis fahren, um letztlich in einer Gemeinschaft zu landen, die mit einem gewöhnlichen Dorf, wie man es aus Europa kennt, nicht viel gemein hat.

Dunster

Wie kann man diesen Ort am treffensten beschreiben? Es gibt keinen Kern, keine Verkehrsschilder, keine wirkliche Ordnung. Nur ein kleiner General Store mit Zapfsäule versorgt die Wenigen, die sich hier niedergelassen haben, mit dem nötigsten.

Die meisten der knapp 200 Einwohner schlagen sich mit Jobs wie Treeplanting durch und haben sich bewusst von der Zivilisation abgewandt, um ihr ganz eigenes Leben zu finden, das eine gewisse Unabhängigkeit von ökonomischen und politischen Entwicklungen zu haben scheint. Tauschhandel ist hier noch ein probates Mittel.

So gut wie jeder baut hier eigenen Salat, eigene Kartoffeln und eigenes Gemüse an - und ganz nebenbei auch Marijhuana! Meine erste Runde mit einigen Bewohnern des Dorfes zeigte warum: viele von ihnen sind absolute Althippies. Oder aber Veteranen aus Zeiten des kalten Krieges, die bewusst die Einsamkeit und Abgeschiedenheit suchen.

Bei einigen handelt es sich sicherlich um mehr oder weniger gescheiterte Existenzen, die in den Städten weit unter der Armutsgrenze leben würden. Und dennoch konnte ich bei den meisten keine wirkliche Unzufriedenheit erkenen, keine Beschwerden über die eigene Situation hören oder wie ihr Leben verlaufen ist. Letztendlich verbindet alle hier die Überzeugung, dass ein Leben außerhalb großer Städte und gesellschaftlicher Zwänge möglich ist und glücklich machen kann.

Die Familie, bei der ich gewohnt habe, unterscheidet sich etwas von dem Durchschnitt in Dunster. Bob und Glenda haben zunächst ordentlich Geld verdient, sich dann das Grundstück hier gekauft und haben weiterhin Bürojobs in einem Ort, der etwa eine Stunde von Dunster entfernt ist. Aber auch sie haben sich genau für dieses unabhängige Leben entschieden. Und besonders Bob, der ursprünglich aus LA stammt und neben seinem Job viel als Surfer durch Südamerika gereist ist, passt hier auch super rein.

Das Haus meiner Gastfamilie ist recht europäisch eingerichtet, sauber und modern.

Im Unterschied dazu bauen sich die meisten hier Häuser mit ganz eigenem Charakter. Besonders das riesige Grundstück der Familie McDonald, die als Gründer des Dorfes gelten, ist sehr beeindruckend. Neben einem Festivalgelände haben die Familienmitglieder einzigartige Häuser entstehen lassen, die zumeist einen sympathischen 70er-Jahre Hippie-Flair ausstrahlen.

Die Familie McDonald

Und auch Marc und seine Freundin, die ganz in der Nähe wohnen, bauen gerade an ihrem eigenen Nest.

Der Zeitpunkt meines Aufenthaltes war günstig gewählt: eine Woche nach meiner Ankunft stieg die Hochzeit von Glendas Tochter Karita mit Augusto, einem Spanier, der vor etwa 2 Jahren bei einer anderen Familie hier in Dunster zu Gast war. Auch er ist absolut überzeugt von diesem Lebensstil. Die Entscheidung, seine Heimatstadt Barcelona zu verlassen, fiel ihm leicht.

Entsprechend habe ich die ganze große Familie kennengelernt, die vilefältiger nicht sein könnte. Die Wurzlen führen nach Deutschland, Schweden, Dänemark, USA und Spanien. Ein Mix kultureller Unterschiede, der nicht spürbar ist, wenn alle einfach nur eine Hochzeit feiern wollen.

Der Vater der Braut und sein Sohn RyanAugusto und sein Papa

Sowohl die Zeremonie als auch die Hochzeitsparty am Abend war nicht wirklich prunkvoll...kein Catering Service, keine engagierte Band. Stattdessen hat jeder Gast etwas zu Essen mitgebracht und viele von ihnen haben zudem für die musikalische Untermalung gesorgt. Und so hatte diese Hochzeit ihre ganz eigene, sehr familiäre Atmosphäre...und ich die Gelegenheit, das ganze Dorf kennen zu lernen.

In meiner ersten Woche bis zur Hochzeit verbrachte ich meine Arbeitsstunden vor allem mit Hochzeitsvorbereitungen aller Art. Darunter war auch die sehr männliche Aufgabe wilde Blumen für die Dekoration zu pflücken.

Die beiden weiteren Wochen verbrachte ich hauptsächlich mit Gartenarbeiten rund um das riesige Grundstück. Grundsätzlich muss ich aber sagen, dass Arbeiten bei meinem Aufenthalt in Dunster keine allzu große Rolle gespielt hat. Man konnte aufstehen wann man wollte, mal gab es mehr zu tun und vielen Fällen auch weniger.

Verbrennen von totem HolzDisteln nieder mähen......auf dem wirklich riesigen Grundstück hinter dem Haus

Meine Unterkunft war während der Hochzeit ein Zelt (alle Zimmer waren mit Familienmitgliedern belegt) und für die anschließenden beiden Wochen ein sehr gemütliches und sauberes Zimmer.

Neben der Hochzeit und dem lockeren Leben in Dunster hatte mein Aufenthalt auch kleinere Ausflüge zu bieten.

Roadtrip to Barkerville

Die meiste Zeit habe ich mit Glendas Sohn Ryan, der auf Vancouver Island wohnt und zwei Wochen zu Besuch war, und Augusto, dem frischgebackenen Ehemann von Glendas Tochter, der gleich nebenan wohnt, verbracht. Außerdem gab es noch Rob, den 40-jährigen 'Heimatlosen', der mit seinem 70er-Jahre Trailer durch die Gegend zieht und unter anderem einen kleinen Garten auf Glendas und Bobs Grundstück hat, in dem er 2-3 Tage die Woche arbeitet.

Rob

Mit dieser Crew habe ich an einem Wochenende einen Roadtrip nach Barkerville, einer historischen Stadt aus Zeiten des Goldrausches, unternommen. Auf der 5-stündigen Fahrt kamen wir an nicht mehr als 5 Dörfern vorbei. So lagen teilweise 200 km reine Wildnis zwischen zwei Orten. Für Europäer kaum vorstellbar.

Die Crew: Ryan, Rob und Augusto

Barkerville ist eine Art Freilichtmuseum, in dem man sehen und erleben kann, wie die Leute, die vor etwa 150 Jahren auf der Suche nach Gold an diesen Ort kamen, lebten.

In der Gegend wird noch immer Gold gefundenAnhänger aus lokalem Gold (5.500 $)

Übernachtet haben wir in einem kleinen nahe gelegenen Ort, der ebenfalls einen gewissen Westernstyle versprüht und von der Außenwelt nahezu komplett abgeschnitten zu sein scheint.

Kanutrip über Fraser River

Ein weiteres Highlight war eine Kanutour über den nahe gelegen Fluss mit Augusto, seiner Frau Karita, Ryan und zwei anderen Dorfbewohnern. Eine echt nette Art um einfach nur in purer Wildnis auszuspannen und die Gegend zu erkunden.

Angelausflug im Jasper Nationalpark

In der Hoffnung einen großen Fisch zu fangen bin ich mit Bob und seinem Freund Mick extra in den ca. 150 km entfernten Jasper Nationalpark gefahren. An dem absoluten Geheimtipp-Angelsee angekommen, merkten wir schon, dass die Wetterverhältnisse alles andere als optimal zum Angeln sind. Der Wind war an diesem Tag einfach sehr stark. Einen Versuch haben wir dennoch gestartet.

Nach einer Stunde mussten wir dann aber doch dem Wind Tribut zollen und die Sache abbrechen. BItter, wollte ich doch da erste Mal in meinem Leben einen Fisch am Haken haben.

Wir haben uns unsere Stimmung davon aber nicht vermiesen lassen und stattdessen einige weitere Seen und einen Canyon aufgesucht. Und auf dem Weg konnte man Elche und Bergziegen bestaunen.

Bob & Mick

Ein Tag in Jasper

Nach meinem Aufenthalt in Dunster war noch einmal Jasper Zwischenstation. Hier verbrachte ich einen tollen Bike-Tag und konnte mit Glenda, ihrer Mutter und ihrer Nichte in einem schicken Hotel übernachten, da die noch Platz in ihrem Zimmer hatten.

Mt. Robson

Am nächsten Tag gings mit dem Zug zurück nach Vancouver.

Den letzten Tag in Vancouver verbrachte ich mit einem Deutschen, den ich im Hostel kennengelernt habe und der sich gerade einen Van gekauft hatte, mit dem er nach Alaska fahren will. Er lud mich auf eine Spritztour zu einem Berg gegenüber der Stadt ein.

Und: an meinem letzten Tag in Kanada bekam ich dann doch noch einen Grizzly-Bär zu sehen. Wenn auch hinter Gittern.

Am nächsten Tag hieß es für mich vorerst 'Bye bye Canada!'. Doch das nächste Abenteuer wartet schon. Es geht in die USA - nach Phoenix, Arizona!

Mittwoch, 10.08.2011

Arizona & Kalifornien - Under the heat of the southwest sun

Nach meinem fast 3-monatigen Kanada-Aufenthalt stehen nun die USA vor der Tür. Ein Freund von mir (Philipp) macht derzeit eine Pilotenausbildung bei der Lufthansa. Für die ersten praktischen Flugerfahrungen bietet sich die Wüste von Arizona an...genauer gesagt der Flughafen in Goodyear, einem Vorort von Phoenix.

Warum ihm also nicht einen Besuch abstatten? - dachte ich so bei mir und habe das auch prombt in die Tat umgesetzt. Dieser Blogeintrag beschäftigt sich sowohl mit diesen beiden Wochen in Phoenix und Umgebung als auch mit meinem anschließenden Trip nach San Diego.

Pheonix (Goodyear)

Nach einer überraschend erholsamen Nacht am Flughafen in Vancouver landete ich um 10:30 Ortszeit in Phoenix. Ein Freund von Philipp (Frank) hat mich netterweise am Flughafen abgeholt, da Philipp zu dieser Zeit im Flugsimulator saß.

Das Gelände des Ausbildungsflughafens in Goodyear ist im Prinzip relativ schlicht gehalten und versprüht den gewohnten Charm einer Ausbildungsstätte. Allerdings gibt es neben einem Fitnessraum, Basketball- und Tennisplätzen auch eine recht nette Poolarea. Und diese findet bei durchschnittlich 40° auch regen Zuspruch.

Bei dem mit zunehmender Aufenthaltsdauer immer stärker werdenden Druck auf die Piloten in Ausbildung, kann man es ihnen nicht verübeln, dass die freie Zeit aussieht, als wären sie in Urlaub. Die Barbecues am Pool erinnern da schon teilweise an eine Ferienanlage. Die einzigen, die allerdings wirklich Urlaub hier machen können, sind Besucher wie ich. Und so habe ich diese Möglichkeit auch ordentlich ausgeschöpft und mir eine sehr entspannte Zeit nach den zurükliegenden, eher arbeitsintensiven Wochen gemacht Cool

Die Insel :DPiloten Band :D

Dabei kamen allerdings auch einige nette Ausflüge nicht zu kurz.

Grand Canyon

Von der Flugschule fährt man nur etwa 4 Stunden zum Grand Canyon Nationalpark. Wir haben daher beschlossen dieser 450 Kilometer langen Schlucht einen Tagesbesuch ohne Übernachtung abzustatten. Unsere 6 köpfige Crew fand in dem absolut klassischen Ami-Style-Van super Platz.

Die Crew (+Philipp und ich)

Wenn man das erste mal vor dem Canyon steht, hat man das Gefühl, dass die Augen dieses Naturwunder überhaupt nicht richtig verarbeiten können - zu tief ist diese Schlucht, zu vielfältig seine Gesteinsschichten. Eins ist aber sicher: je näher man dem Abgrund kommt, umso mulmiger wird es einem in der Magengrube.

Wir haben uns dennoch gewagt einen kleinen Abstecher in den Canyon zu machen und sind dabei neben einer großen Schar Touristen auch einigen Ureinwohnern begegnet, die wir aufgrund iher Vorliebe für Nüsse kurzerhand 'Snackhörnchen' getauft haben. 

Camelback Mountain

Etwa eine halbe Stunde entfernt von Phoenix erhebt sich der Camelback Mountain. Der Hike auf die Spitze hatte dabei teilweise sogar den Charakter einer echten Kletterpartie.

Und eine recht große Wüstenschlange haben wir auf dem Weg auch getroffen. Ob sie giftig war oder nicht wissen wir bis heute nicht. Eine Klapperschlange war es aber nicht, soviel ist sicher.

Und von der Spitze hatten wir einen super Blick auf die Stadt, die sich wirklich über ein riesiges Gebiet erstreckt, weil es so gut wie keine Hochhäuser gibt. Und auch unser Timing für den Sonnenuntergang war perfekt.

Goldfield und Canyon & Apache Lake

Ein sehr cooler Tagestrip war auch der Besuch einer alten Goldgräberstadt und zweier Seen, die innerhalb eines Canyons liegen. Mit einem alten Ford Explorer machten wir (Fred und ich) uns auf den Weg. 

Erster halt war das historische Dorf, dass früher von Goldadern gesegnet war und in dem nach Aussage des lokalen Touristenfühers auch immer noch Gold zu finden ist. Unser kurzer Anflug eines Goldrauschs verflog allerdings nach einer kleinen Führung in der Miene: miese Arbeitsbedingungen und 12-Stunden-Schichten wären die ganze Sache dann doch nicht wert.

Eine halbe Fahrtstunde weiter lag der Canyon Lake. Schon vom Parkplatz hörten wir die sehr dominante spanische Geräuschkulisse und wunderten uns, ob wir nicht irgendwo ohne es zu merken über die Grenze nach Mexiko gefahren sind.

Nach einer kurzen Abkühlung beschlossen wir den nächsten See aufzusuchen. Um zum Apache Lake zu gelangen musste man zunächst eine echt abgefahrene Schotterpiste meistern, die den Canyon hinunter und an einem erschreckend tiefen Abgrund entlang führte.

Nach einer knappen Stunde Canyon, Kakteen und Staub, in der man das Gefühl hatte, dass jeden Moment eine Bande auf den Felsen lauernder Indianer einen Raubüberfall auf uns verüben würde, glaubten wir eigentlich schon nicht mehr daran, dass hier irgendwo noch ein See auftauchen könnte. Er tat es dann aber doch.

Nach einem ausgiebigem Badeaufenthalt machten wir auf der Rückfahrt noch Stopp für ein Eis am Tortilla Flat, einem schon vor hundert Jahren sehr beliebten Zwischenstopp irgendwo im nirgendwo.

Die Wand ist mit 1-Dollar-Scheinen tapeziert

Flugstunde

Da Philipp sich mit seiner Flugausblidung schon in der Simulatorphase befand, habe ich in anderen Kursen nachgefragt, ob ich nicht mal bei einer Flugstunde dabei sein kann. Glücklicherweise erklärte sich dann auch jemand bereit, mich mitzunehmen. Die Warnungen, dass einem sehr leicht übel werden könnte, wenn man das erste mal mit einer kleinen Maschine fliegt, tat ich erstmal als Übertreibungen ab. Leider musste ich mich nach einer halben Stunde Flug dann doch eines besseren belehren lassen: tatsächlich wurde mir extrem übel und die zweite Hälfte des Fluges zur Qual.

Danach hieß es dann Goodbye Phoenix. Für Philipp ging es nach bestandenem Final Check (Glückwunsch nochmal) zurück nach Deutschland und für mich nach Kalifornien, in die Küstenstadt San Diego.

San Diego

Für die restlichen vier Tage, die mir von meinem USA-Aufenthalt noch blieben, beschloss ich nochmal einen Abstecher ans Meer zu machen. Der Greyhound Bus führte mich dabei zunächst durch karge Staubwüsten, echte Sandwüsten und Felsengebirge bis letztendlich das blühende Kalifornien vor mir auftauchte.

Das von mir gewählte Hostel lag zum Glück sehr nahe an der Greyhound Station und sah von außen wie ein recht ordentliches Hotel aus. Der Blick ins Viererzimmer brachte einen aber wieder auf den Boden der Tatsachen - bei zentraler Lage und 20 $ pro Nacht konnte man nicht mehr erwarten.

Das Hostel von außen......und von innen

San Diego zeigte sich insgesamt als eine absolut traumhafte Stadt, die sowohl den typisch amerikanischen Styl als auch eine ordentliche Portion Mexiko-Flair aufweist und das Ganze noch mit einer Brise Fischerdorf und Baywatch-Feeling verbindet.

Baywatch :D

Neben generellen Stadterkundungen standen auch einige typische Touristenattraktionen auf dem Programm.

USS Midway Aircraft Carrier

Der stillgelegte Flugzeugträger, der auch schon im 2. Weltkrieg im Einsatz war, liegt jetzt im Hafen von San Diego und wartet auf Touristen. War sehr interessant zu sehen, unter welchen Umständen die Besatzung damals lebte.

SchlafplätzeMaschinenraumKantine

Als man dann auf das Deck gelangte, befand man sich inmitten verschiedenster Kampflugzeuge.

Ein Veteran als Guide

Veteranen erklärten einem detailliert und mit einem Haufen Begeisterung, welche Besonderheiten diese Flugzeuge haben, wie man vom Flugzeugträger abhebt und landet und ganz nebenbei auch, wie viele Schiffe sie schon versenkt haben. Dabei überkommt einem plötzlich das Gefühl, dass es einige Amerikaner zu geben scheint, die nicht nur den wahren Grund ihrer Kriege verschweigen, sondern die einfach ganz offensichtlich eine Menge Spaß am Krieg führen haben. Nicht mit einem Wort wurde mit dem Flugzeugträger der Schrecken der Kriege, die er durchgemacht hat, zur Sprache gebracht. Stattdessen war auf dem Walkman, den man als private Audio-Tour am Eingang ausgehändigt bekam, unter dramatischer musikalischer Unterlegung immer wieder die Rede von Ehre und Stolz. Außerdem konnte man in Simulatoren den Flug mit einem Kampfjet nachvollziehen und anschließend im Gift Store ganze Kampfanzüge für die Kinder kaufen - die reinste Propaganda.

Und als die Stimme auf dem Walkman mich dann noch mit den Worten "Your entrance fee will support the Navy and the freedom of the USA" verabschiedete, war ich kurz davor mein Eintrittsgeld zurück zu verlangen oder den Mann am Schalter zumindest zu bitten, es zu verbrennen...

Bike Ride to Mission & Pacific Beach

Die wirklich schönsten Seiten von San Diego konnte ich an einem Tag mit dem Fahrrad entdecken. Auch wenn ich mich anfangs ziemlich verirrt habe und erst nach ordentlichem durch fragen den Weg zu den Stränden entdeckt habe, war es eine gute Sache, die Stadt auf zwei Rädern zu erkunden.

Mission BeachPacific Beach

Dabei musste ich teilweise sogar über den Highway radeln, kam aber auch an netten Wohngebieten und einer echt amerikanischen Autoaustellung vorbei.

typisch amerikanisch würd ich sagen :D

Nach diesen absolut traumhaften Tagen steht mir nun eine harte Reise von über 2 Tagen ohne Bett bevor. Ich wechsle nach langer Zeit mal wieder den Kontinent. Und da ich vom Reisen noch nicht müde bin, geht's noch nicht nach Hause sondern nach Südamerika...Santiago de Chile, ich komme!!!

Samstag, 27.08.2011

Immer weiter Richtung Süden - Chile & Bolivien

Eine ganz neue Welt erwartete mich nun nach etwa 4 Monaten Nordamerika...Chile steht vor der Tür! Dazu musste ich allerdings zunächst 55 Stunden ohne Bett auskommen und stattdessen in Bussen und Flugzeugen oder am Flughafen etwas Schlaf finden. Von San Diego ging es über Los Angeles nach Phoenix, von dort aus hoch nach Toronto und dann letztlich runter nach Santiago de Chile. Der zu diesem Zeitpunkt mit Abstand kostengünstigste Weg von der Westküste der USA in die Hauptstadt Chiles zu gelangen.

Los AngelesTorontoDie RouteEinreiseformulare

Aber schon der erste Blick auf die Anden aus dem Flugzeug heraus war absolut atemberaubend und entschädigte für einige Strapazen. 

Danach stand mir noch die etwas anspruchsvollere Aufgabe bevor, mich nach der langen Reise durch das Metro- und Bussystem Santiagos zu schlagen. Fünfmal aussteigen, einmal Taxi fahren, dann kam ich endlich an...bei der chilenischen Familie, bei der ein Freund von mir (Lukas) bereits seit einem halben Jahr wohnt. Er hat mir netterweise sein Zimmer zur Verfügung gestellt und ist selbst für den Zeitraum meines Aufenthaltes zu einem Freund am anderen Ende der Stadt gezogen.

Nachdem ich mich zunächst in der Haustür geirrt hatte und irgendwelchen Leuten mit meinem gebrochenen spanisch begreifbar machen wollte, dass ich jetzt hier wohnen will, fand ich letztlich dann doch noch das richtige Haus. Nach herzlicher Begrüßung mit Küsschen und Umarmungen (Südamerika eben) legte ich mich dann erstmal schlafen. Ausruhen für die spannende Zeit in Santiago.

Santiago de Chile

In Santiago war gerade Frühlingsanfang, vergleichbar mit Mitte März bei uns. Daher war es noch recht kalt, höchstens 12° C, nachts auch mal nur fünf. Und das Haus der Familie hat keine Heizung, inmitten der Steinwände war es mitunter kälter als draußen. Schlafen musste man daher mit langer Hose und Pulli und unter fünf Decken. Der erste absolute Schock nach drei Wochen Wüste in Arizona und Strand in Kalifornien. 

Das Haus liegt in einem etwas ärmlicheren Viertel der Stadt. Es gibt viele Straßenhunde und der Müll liegt auf der Straße. Dennoch habe ich mich hier im Kreise der Familie von Anfang an wohl gefühlt.

Lukas, Jaime, Claudija und ich

Die Woche in Santiago verbrachte ich mit generellen Stadterkundungen, in denen ich mich oft einfach nur treiben ließ und damit versuchte, etwas vom echten südamerikanischen Lebensstil zu erfahren. 

Da Lukas arbeiten musste, bin ich tagsüber meist alleine durch die Stadt geschlendert. Santiago ist gerade im Zentrum eine Stadt, in der man sich als Europäer schnell heimisch fühlen kann. Der Kulturschock ist relativ schnell überwunden, und in den wohlhabenderen Vierteln eigentlich auch kaum vorhanden.

Am Wochenende haben wir dann das Nachtleben mitgenommen. Auch das war, abgesehen von ein paar Ausnahmen, keine große Umstellung zu den Partys in Europa.

Dabei war mein Weg vom anderen Ende der Stadt nach Hause zumeist ein echtes Abenteuer. An einem Abend bin ich mit dem letzten Bus zu weit gefahren, war um 5 Uhr morgens irgendwo in Santiago und kein Auto ist mehr vorbei gekommen, geschweige denn ein Taxi. Zum Glück habe ich einen Security Point von irgendeiner Siedlung gefunden und konnte die Menschen da überzeugen, mir ein Taxi zu rufen. Mein Geld reichte gerade noch für die Fahrt und einen Big Mac im 3-Sterne-Restaurant um die Ecke.

Anschließend erkundeten Lukas, die Mutter seines Freundes, bei dem er in der Zeit gewohnt hat, und ich tagsüber den riesigen Stadtmarkt, der einfach alles zu bieten hat, von Möbeln über Gaslampen zu diversen Einzelteilen, Tieren und natürlich auch Kleidung.

Außerdem machten wir noch eine Fahrradtour auf einen nahegelegenen Hügel. Das sehr schlechte Wetter hat uns dabei zunächst wenig gestört.

Allerdings musste ich der nassen Kälte und meinem Zimmer ohne Heizung letztendlich doch Tribut zollen und habe mir eine ordentliche Erkältung eingefangen. Kein gutes Timing, stand uns doch ein anstrengender Trip nach Nordchile und Bolivien bevor.

Nordchile

Von Santiago flogen wir zunächst nach Calama und zogen von dort aus dann weiter mit dem Bus nach San Pedro de Atacama, einer Oase auf 2.500 m inmitten einer Wüsten- und Vulkanlandschaft.

Nachdem wir ein günstiges Hostel gefunden hatten, haben wir uns zunächst ein Fahrrad ausgeliehen um die Gegend zu erkunden.

Und gleich darauf buchten wir für den selben Tag noch einen Trip in das Valle de la Luna. Dieses Tal verdankt seinen Namen (Luna = Mond) der mondgleichen, sehr trockenen Oberfläche. Bei dem Gestein handelt es sich um Salze, die sehr beeindruckende und einzigartige Formen annehmen können.

Aussschlafen war am nächsten Tag nicht drin. Um 4 Uhr nachts wurden wir für eine Tour zu den Geysiren von El Tatio abgeholt. Nach der zweistündigen Fahrt über sehr unwegsames Gelände erwartete uns auf 4.500 m Höhe eine Temperatur von -15 Grad. Und es wurde bis kurz vor dem Sonnenaufgang sogar noch kälter.

Die Landschaft war aber einfach nur atemberaubend und wohl ziemlich einzigartig auf dieser Welt. Die Geysire waren zu dieser Zeit besonders aktiv und daher toll anzuschauen.

Dennoch war man nach etwa zwei Stunden extrem trockener Kälte sehr froh, als die Sonne dann doch endlich raus kam.

Anschließend brachte uns der Bus noch in ein altes Dorf auf etwa 4.000 m Höhe. Hier konnten wir einen kleinen Snack zu uns nehmen und dabei das Dorf und die umherlaufenden Lamas bewundern.

Als Abschluss hielten wir noch an einem aktiven Vulkan, der durch den davor liegenden, halb zu gefrorenen Fluss noch beeindruckender aussah. Sowohl was Erdbeben als auch was Vulkane betrifft, werden in Chile weltweit die meisten Aktivitäten gemessen.

Nach einem eher entspannten Nachmittag brachte uns am Abend der Nachtbus zu unserem nächsten Ziel: Arica. Hier wollten wir eigentlich einen Tag verbringen und dann mit dem Nachtbus nach La Paz fahren. Da aber direkt ein Anschlussbus am morgen verfügbar war und Arica nicht sonderlich einladend aussah, beschlossen wir noch am gleichen Tag nach Bolivien einzureisen.

Bolivien

Die Busfahrt war eigentlich sehr entspannt, was im Vergleich zu den noch kommenden Fahrten eine absolute Ausnahme bleiben sollte. Und auch der Grenzübertritt ging einigermaßen problemlos von statten. Während der Fahrt gewannen wir immer mehr an Höhe, bis sich der Bus konstant auf über 3.000 m bewegte.

Der erste Blick auf La Paz war schon sehr beeindruckend. Die 2-Millionen Einwohner Metropole liegt auf 3.200 - 4.100 m und ist damit der höchst gelegene Regierungssitz der Erde (Hauptstadt Boliviens ist aber Sucre - wieder was gelernt Unentschlossen)

Neben der extremen Höhe und den großen Temperaturunterschieden zwischen Tag (25°) und Nacht (-3°) musste man sich hier auch an die ärmlicheren Verhältnisse gewöhnen. Bolivien ist das ärmste Land Südamerikas und das machte sich - gerade im Vergleich zu Chile - auch deutlich bemerkbar. Lange Zeit zur Eingewöhnung hatten wir aber nicht, da wir nur eine Nacht blieben. Am gleichen Abend haben wir daher noch die Stadt erkundet und uns mit einigen Leuten aus dem Hostel ins Nachtleben gestürzt.

Schlafen war auch diese Nacht wieder eher nebensächlich, denn wir wollten die Stadt ja auch noch bei Tag erkunden, bevor wir am Abend den nächsten Nachtbus nehmen mussten. Also auf ins Großstadtgewimmel!

Nach einigen Einkäufen auf den Märkten fuhr um 19 Uhr unser Bus nach Uyuni. Es sollte die schlimmste Busfahrt werden, die ich je mitgemacht habe!!! Nach etwa der Hälfte der Strecke blieb unser Bus liegen und wir mussten um 3 Uhr nachts in einen anderen Bus umsteigen. Dieser war aber einfach schon komplett voll...in Bolivien aber kein Problem. Und so verbrachten wir 6 Stunden Fahrt, mitten in der Nacht, hauptsächlich stehend (!!!) mit etwa 70 Leuten in einem Bus...wer Glück hatte konnte sich für eine gewisse Zeit auf den Boden setzen...eine absolute Qual!

In Uyuni angekommen mussten wir als erstes unsere Weiterfahrt zurück nach Calama organisieren, von wo aus wir dann wieder zurück nach Santiago fliegen würden. Direkt anschließend buchten wir eine 2-Tagestour mit einem Jeep in die nahegelegene Salzwüste, die uns die schlaflose und anstrengende Naht vergessen lassen sollte. Die Landschaft war einfach unglaublich: 200.000 km² nur weißes, reines Salz...wie von einem anderen Planeten!

   

Und unsere Nacht verbrachten wir in einem Dorf, das inmitten der Salzwüste auf einer Vulkaninsel liegt. Lamas und Flamingos leben hier in freier Wildbahn. Der landschaftlich mit Sicherheit schönste und einzigartigste Ort, an dem ich jemals war!!!

Das Dorf hatte nur etwa 20 Einwohner, aber sogar eine eigene kleine Schule, in die die acht hier lebenden Kinder gehen.

Das Gebäude im Hintergrund ist die Schule :D Haha...da verstehen sich zwei :D

Das Leben der Leute hier ist natürlich sehr einfach. Und so ist Wäsche waschen hier schon eine absolute Tagesaufgabe.

Gewohnt haben wir in einem Haus neben einer einheimischen Familie. Und diese hat uns auch mit Essen versorgt...

Am nächsten Tag sollte eigentlich um 9 Uhr die Weiterfahrt beginnen. Der Fahrer unseres Jeeps kam aber erst um 12 Uhr an. Legitimiert hat er seine Verspätung mit den Worten: "En Bolivia, todo es possible pero nada es seguro". Na dann. Die Wartezeit verbrachten wir inzwischen mit der drei Jahre alten Tochter unserer Köchin und deren Hund.

Anschließend brachte uns unser Fahrer noch zu einer auf dem Berg hinter dem Dorf gelegenen Höhle, in der Mumien auf uns lauerten.

Außerdem hatte man hier einen tollen Blick auf die Salzwüste.

Die Weiterfahrt zur nächsten Insel verschob sich dann erneut...mal wieder eine Panne: der Reifen war geplatzt. Und der wurde mehr oder weniger fachmännisch vom Fahrer geflickt, anstatt einen neuen drauf zu machen. Das sollte uns auf der weiteren Fahrt noch Probleme bereiten.

Die nächste Insel war dann auch wieder traumhaft und mit vielen Kakteen geschmückt.

Und auf der Fahrt lernte man wieder neue Leute kennen: wie zum Beispiel einen Koreaner in Rente, der schon seit 10 Monaten durch Südamerika reist und immer ein Dauergrinsen im Gesicht hat Verschlossen

Bevor wir wieder zurück nach Uyuni kamen, sollte uns aber - wie schon oben angesprochen - der selbst geflickte Reifen Probleme bereiten. Nach Panne zwei entschied der Fahrer dann doch, den Reifen mal zu wechseln anstatt ihn zu reparieren...gute Entscheidung!

Die Nacht in Uyuni war extrem kurz: schon um 3:30 Uhr ging unser Bus nach Calama. Der Grenzübertritt nach Chile war früh morgens und leider nicht ganz so unkompliziert wie zuvor nach Bolivien. Die Pass- und Gepäckkontrolle dauerte extrem lang und auch die Wartezeit auf den nächsten Bus war nicht unbedingt kurz.

Bolivianisch-chilenische Grenze

Endlich in Calama angekommen nahmen wir uns ein Hostel für die Nacht und verbrachten den Rest des Abends in einem peruanischen Restaurant und einer mexikanischen Bar.

BVB-Bettwäsche in unserem Hostel...wie kommt die denn dahin? :D

Am Morgen ging dann unser Flug zurück nach Santiago.

Hier verbrachte ich dann noch eine Nacht mit Lukas und meiner Gastfamilie, bevor ich am nächsten Morgen schweren Herzens Südamerika verlassen habe.

Aber die Abschiedstrauer währte nur kurz. Als letzte Etappe meiner Weltreise fliege ich zurück nach Kanada. In Montreal treffe ich mich mit meiner Freundin. Von New York aus soll es anschließend nach 5 Monaten auf Achse wieder zurück nach Frankfurt gehen.